Der Jeddah Tower (früher als Kingdom Tower bekannt) ist ein im Bau befindlicher Superhochhaus-Wolkenkratzer in Dschidda, Saudi-Arabien, der als weltweit erstes Gebäude eine Höhe von über 1.000 Metern erreichen soll. Nach Fertigstellung wird er den 828 Meter hohen Burj Khalifa in Dubai übertreffen und zum höchsten von Menschen errichteten Bauwerk der Geschichte werden. Der Turm bildet das Herzstück der Jeddah Economic City, einer großflächigen gemischt genutzten Entwicklung an der Küste des Roten Meeres nördlich des Zentrums von Dschidda.
Entwurf und technische Daten
Der Jeddah Tower wurde von Adrian Smith + Gordon Gill Architecture (AS+GG) entworfen, demselben Büro, das hinter dem Burj Khalifa steht. Zu den wesentlichen Entwurfsmerkmalen zählen:
- Höhe: Über 1.000 Meter (etwa 1.008 Meter nach Entwurf)
- Geschosse: Über 150 nutzbare Stockwerke
- Form: Ein dreieckiger Grundriss, der sich im Aufstieg verjüngt und dreht, mit drei Rücksprüngen, die Terrassen bilden. Der Entwurf ist zugleich ästhetisch und funktional, da er die Windlasten in der Höhe verringert
- Sky-Terrasse: Eine große Aussichtsterrasse im Freien bei etwa 664 Metern mit Blick über das Rote Meer
- Gemischte Nutzung: Der Turm wird ein Four-Seasons-Hotel, Luxusresidenzen, Büroflächen und eine Aussichtsplattform enthalten
- Fundament: Das Fundament des Turms reicht über 100 Meter tief in die Küstengeologie des Roten Meeres – eines der tiefsten je errichteten Fundamente
Jeddah Economic City
Der Turm bildet den Ankerpunkt der Jeddah Economic City (JEC), einer Entwicklung im Wert von 20 Milliarden US-Dollar, die sich über rund 5,3 Millionen Quadratmeter entlang der Küste des Roten Meeres erstreckt. Die JEC soll Wohnviertel, Bürotürme, Einzelhandel, Unterhaltung und Attraktionen am Wasser umfassen. Die Entwicklung wird von der Jeddah Economic Company verwaltet, mit der Kingdom Holding Company (kontrolliert von Prinz Alwaleed bin Talal) als Hauptinvestor.
Baugeschichte
Der Bau begann im April 2013, und das Projekt durchlief einen komplexen zeitlichen Verlauf:
- 2013–2017: Die Fundamentarbeiten und der erste Rohbau kamen voran. Der Turm erreichte rund 250 Meter (ein Drittel seiner endgültigen Höhe) und etwa 63 Geschosse, bevor sich die Arbeiten verlangsamten.
- 2017–2020: Der Bau wurde inmitten von Streitigkeiten mit Auftragnehmern, der Festnahme von Prinz Alwaleed bin Talal während der Antikorruptionskampagne 2017 sowie Finanzierungsproblemen ausgesetzt. Das Tragwerksgerüst blieb in dieser Zeit an der Skyline von Dschidda sichtbar.
- 2020 bis heute: Der Bau wurde nach der Lösung der Finanzierungs- und Auftragnehmerprobleme wieder aufgenommen. Neue Bauverträge wurden vergeben, und die Arbeiten am Überbau sind wieder aufgenommen worden.
Ingenieurtechnische Herausforderungen
Ein Bau jenseits von 1.000 Metern bringt beispiellose ingenieurtechnische Herausforderungen mit sich:
- Windtechnik: Die Windlasten nehmen mit der Höhe drastisch zu und erfordern umfangreiche Windkanaltests und aerodynamische Gestaltung
- Betontechnologie: Hochleistungsbeton muss auf extreme Höhen gepumpt werden, was besondere Rezepturen und Pumptechnik erfordert
- Aufzugssysteme: Herkömmliche Aufzugstechnik reicht für Gebäude von 1.000 Metern nicht aus und erfordert innovative Lösungen, etwa gestaffelte Aufzugssysteme
- Fundamenttechnik: Die Küstengeologie des Roten Meeres erforderte neuartige Gründungsansätze, um die enormen Lasten des Turms zu tragen
Wirtschaftliche Bedeutung
Der Jeddah Tower ist zugleich ein Ausdruck architektonischer Ambition und ein wirtschaftlicher Katalysator für den Westen Saudi-Arabiens. Seine Fertigstellung würde Dschidda ein weltweit wiedererkennbares Wahrzeichen verleihen und die übrigen Megaprojekte des Königreichs in Riad, NEOM und an der Küste des Roten Meeres ergänzen. Vom Turm und der umgebenden JEC werden Tausende von Arbeitsplätzen sowie Impulse für Tourismus und Handel erwartet.
Investitionskontext
Der Jeddah Tower ist in erster Linie ein Projekt des Privatsektors, was ihn von den PIF-gestützten Megaprojekten unterscheidet. Die Kingdom Holding Company bleibt der Hauptinvestor, wenngleich staatliche Unterstützung bei Infrastruktur und regulatorischer Erleichterung von Bedeutung war. Die Fertigstellung des Projekts würde die Fähigkeit des saudischen Privatsektors belegen, weltweit bedeutende Entwicklungen zu realisieren.
Aktueller Stand und Ausblick
Anfang 2026 hat die Bautätigkeit mit neuem Schwung wieder eingesetzt. Zwar hat sich der Zeitplan des Projekts gegenüber den ursprünglichen Prognosen erheblich verlängert, doch das Bekenntnis zur Fertigstellung bleibt bestehen. Der Baufortschritt des Turms wird von der globalen Architektur- und Ingenieurgemeinschaft aufmerksam als Maßstab für die Technologie des Superhochhausbaus verfolgt.
Der Jeddah Tower ist zugleich ein Symbol saudischer Ambition, eine ingenieurtechnische Grenze und ein Test für die Widerstandsfähigkeit eines Projekts. Seine eventuelle Fertigstellung würde eine Geschichte der Beharrlichkeit krönen, die so bemerkenswert ist wie die Höhe des Turms selbst.
Siehe auch unsere Beiträge Bauwirtschaft 2025 und Analyse des Immobilienmarkts.
