Der Windpark Dumat Al Jandal ist das erste Windkraftprojekt Saudi-Arabiens im Versorgungsmaßstab: eine 400-MW-Anlage in Al Jouf, die belegte, dass Windkraft innerhalb des Königreichs kommerziell wettbewerbsfähig sein kann. Sie verankert die Windenergie-Seite des Programms für erneuerbare Energien Saudi-Arabiens im Rahmen der Vision 2030 und bleibt ein Referenzpunkt für Entwickler, Kreditgeber und Investoren.
Projektüberblick
Der Windpark Dumat Al Jandal umfasst 99 Windturbinen mit einer Leistung von jeweils rund 4 MW, verteilt über ein Gelände in der Region Al Jouf nahe der historischen Stadt Dumat Al Jandal. Das Projekt wurde über das wettbewerbliche Ausschreibungsverfahren des National Renewable Energy Programme vergeben und erreichte zum Zeitpunkt der Zuschlagserteilung einen Rekordtiefsttarif.
Das Siegergebot von 0,0199 US-Dollar je Kilowattstunde (rund 0,075 Saudi-Riyal) machte den Windpark bei der Zuschlagserteilung zu einem der weltweit günstigsten jemals vertraglich vereinbarten Windkraftprojekte. Dieser Tarif zeigte, dass Windenergie in Saudi-Arabien auf Kostenbasis direkt mit gasbefeuerter Erzeugung konkurrieren kann, und bestätigte die Aufnahme der Windkraft neben der Solarenergie in den Energiemix des Königreichs für erneuerbare Energien.
Entwickler und Finanzierung
Das Projekt wurde von einem Konsortium unter Führung von EDF Renewables (einer Tochtergesellschaft des französischen Versorgers EDF) und Masdar (dem Unternehmen für erneuerbare Energien Abu Dhabis) entwickelt. Das Konsortium arbeitet unter einem 20-jährigen Stromabnahmevertrag mit der Saudi Power Procurement Company.
Die Projektfinanzierung wurde durch eine Kombination aus Eigenkapital des Entwicklerkonsortiums und regressfreiem Projektfremdkapital eines Konsortiums internationaler und regionaler Banken arrangiert. Die Bankfähigkeit des Projekts, gestützt durch den kreditwürdigen Abnehmer und den wettbewerbsfähigen Tarif, weckte starkes Interesse bei Kreditgebern und etablierte eine Finanzierungsvorlage für nachfolgende saudische Projekte im Bereich erneuerbarer Energien.
Windressource
Die Region Al Jouf profitiert von gleichmäßigen Windressourcen, mit durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten von über 8 Metern pro Sekunde in Nabenhöhe. Dies zählt zu den stärksten Windressourcen der Arabischen Halbinsel, vergleichbar mit guten Windstandorten in Europa und Nordamerika. Das saisonale Windmuster liefert eine ergänzende Erzeugung zur Photovoltaik, mit stärkeren Winden in den Wintermonaten und in den Nachtstunden, in denen die Solarleistung null beträgt.
Der Erfolg von Dumat Al Jandal hat eine weitergehende Bewertung der Windressourcen im gesamten Königreich angestoßen. Die nördlichen und westlichen Regionen, einschließlich der Gebiete nahe NEOM und Tabuk, wurden als Standorte mit kommerziell attraktiven Windressourcen identifiziert, die sich für zusätzliche Entwicklungen im Versorgungsmaßstab eignen.
Technische Spezifikationen
Die in Dumat Al Jandal eingesetzten Windturbinen zählen zu den größten im Nahen Osten installierten, mit Rotordurchmessern von über 130 Metern und Nabenhöhen von rund 85 Metern. Die Turbinen sind für den Betrieb unter Wüstenbedingungen mit hohen Temperaturen ausgelegt und verfügen über verbesserte Kühlsysteme und staubbeständige Komponenten.
Das Projekt umfasst ein eigenes Umspannwerk und Übertragungsinfrastruktur, die den Windpark an das saudische nationale Netz anbindet. Die elektrische Infrastruktur wurde in Abstimmung mit der Saudi Electricity Company geplant und errichtet, um eine zuverlässige Integration zu gewährleisten.
Bau und Betrieb
Der Bau des Windparks erforderte angesichts des abgelegenen Standorts eine umfangreiche Logistikplanung. Die in Europa und Asien gefertigten Turbinenkomponenten wurden auf dem Seeweg zum Hafen Duba an der Küste des Roten Meeres und anschließend über Land zum Projektstandort transportiert. Saudische und internationale Auftragnehmer arbeiteten bei Tiefbau, Elektroinstallation und Turbinenmontage zusammen.
Das Projekt schuf Hunderte von Arbeitsplätzen im Bau sowie fortlaufende Beschäftigung im Betrieb. Anforderungen an die lokale Wertschöpfung stellten sicher, dass ein erheblicher Anteil der Bauausgaben saudischen Zulieferern und Arbeitskräften zugutekam.
Strategische Bedeutung
Dumat Al Jandal besitzt eine strategische Bedeutung, die über seine Erzeugungsleistung hinausgeht. Der Windpark bewies, dass Windenergie in Saudi-Arabien tragfähig ist, einem Land, das bei erneuerbaren Energien zuvor ausschließlich mit Solarenergie in Verbindung gebracht wurde. Er etablierte ein wettbewerbliches Beschaffungsmodell, dem nachfolgende Windkraftprojekte folgen können. Und er schuf eine physische Demonstration des Bekenntnisses des Königreichs zur Energiediversifizierung, sichtbar für in- und ausländische Öffentlichkeit.
Das Projekt belegte zudem das Vertrauen internationaler Investoren in das Programm für erneuerbare Energien Saudi-Arabiens. Die Beteiligung von EDF Renewables und Masdar, zwei der weltweit führenden Entwickler erneuerbarer Energien, bestätigte den regulatorischen und kommerziellen Rahmen, den das REPDO geschaffen hatte.
Weitere Windenergie-Pipeline
Nach dem Erfolg von Dumat Al Jandal befinden sich weitere Windenergieprojekte im gesamten Königreich in Entwicklung. Die Region NEOM ist für eine bedeutende Windkapazität vorgesehen und nutzt die starken Küstenwindressourcen des Golfs von Akaba. Das Gesamtziel für Windenergie im Rahmen des NREP übersteigt 16 Gigawatt bis 2030 und stellt eine erhebliche Skalierung gegenüber den anfänglichen 400 MW dar.
Die Windenergie-Pipeline schafft Chancen für Turbinenhersteller, Anbieter von Balance-of-Plant-Leistungen, Betriebs- und Wartungsdienstleister sowie Projektentwickler. Wie bei der Solarenergie macht der Umfang des saudischen Windmarktes diesen zu einer bedeutenden Wachstumschance für die globale Branche der erneuerbaren Energien.
